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Erlebnisbericht über den Köln-Marathon 2008 von Michael Steibert
7.00 Uhr
Der Blick aus dem Kölner Hotelzimmer lässt die Befürchtungen wahr
werden: Geschlossene dunkle Wolkendecke und es ist kalt.
Nun denn erstmal Frühstück. Das Hotelfrühstück kostet
pauschal 15 € und ich trau mich nichts zu essen, schließlich sind es nur
noch 4 Stunden bis zum Start. Ein Joghurt aus dem REWE – Markt für 40
Cent hätte es auch getan.
11.00 Uhr
Im Startblock angekommen ist Geduld angesagt. Der Start verzögert sich.
Ich nutze die Zeit um mir die potentiellen Mitläufer anzusehen.
Links von mir steht ein jugendliches Pärchen in sportlichem Dress und
von filigraner Gestalt, zusammen etwa meine Gewichtsklasse. Ich vermute
die schweben gleich zu Anfang an mir vorbei. Rechts steht eine Lady in
auffälligem Pink, nicht mehr jung aber auch noch nicht alt, schlank aber
nicht zierlich. Es beginnt zu regnen.
11.45 Uhr Km 0
Endlich setzt sich die Masse in Bewegung. Es geht erstmal bergauf über
die Deutzer Brücke.
Km 0,4
Meine Schuhe sind zu fest gebunden, der Transponder drückt auf den
Vorderfuß. Ich muss ausscheren und neu binden.
Die Masse läuft an mir vorbei.
km 0,8
Jetzt sind die Schuhe zu locker. Ich muss ausscheren und neu binden.
Die Masse läuft an mir vorbei. Der Schmerz von vorhin ist wieder da --
wohl Gewöhnungssache.
Km 1-10
Meine Füße spüre ich nun nicht mehr. Ich laufe mit gebremster
Herzfrequenz ( <150 ) und sehe mir Köln an.
Km 10-20
Die Herzfrequenz steigt auf ca. 160. Es läuft wie geschmiert. Ich
überhole viele Läufer (auch die Lady in Pink), wie erwartet.
Ich sehe eine Gruppe Läuferinnen mit dem T-Shirt
Aufdruck „Wo wir sind ist hinten“. Da muss ich natürlich vorbei.
Das Publikum jubelt, die Musik und die Trommeln beflügeln.
Das "Runners High" stellt sich ein und ich habe das Gefühl, ich könne
auch noch den Kameraden einholen, der mit mir nach Köln gefahren und
eine halbe Stunde vorher gestartet ist (leichte Überschätzung).
Km 23
Der Sprit ist alle, ich laufe auf Reserve. Höchste Zeit für Banane und
Cola.
Das war gut. Das werde ich noch mal wiederholen…
Km 30
Der Regen ist stärker geworden und der Wind drückt die nassen Sachen an
die Haut.
So langsam beginnt jede Muskelfaser mit mir zu sprechen.
Das junge Pärchen taucht vor mir auf. Sie hat mit schmerzverzerrtem
Gesicht aufgegeben, er ist liebevoll bemüht.
(Vielleicht ist mein Gewicht doch zu was gut)
Km 35
Die Maximaldistanz aus dem Training ist erreicht. Ab hier beginnt das
Neuland.
Und da kommt unerwartet die Lady in Pink von hinten und will an mir
vorbei.
Um das zu verhindern mobilisiere ich die letzten Reserven ( Puls 160 –
170 ).
Ohne Erfolg !
Km 40
Hinter meinem rechten Knie beult sich schmerzhaft etwas nach außen. Die
linke Wade beginnt zu krampfen.
Jetzt aufgeben wäre blöd, zumal ich links und rechts des schmalen
Korridors viele motivierende Schilder sehe mit der Aufschrift „Du
schafft es “. – Alle Schmerzen ignorieren und weiter…
KM 42,195
Zieleinlauf. Nicht zu fassen. Ich bleibe einen Moment stehen und halte
mich an der Absperrung fest.
Jetzt geht’s zum Verpflegungsdorf. Stehen bleiben war nur die zweitbeste
Idee.
Ich fühle mich wie jemand, der beim Eisfischen ins Wasser gefallen ist.
An Verpflegung ist nicht zu denken. Wie soll ich die 500 m zu den
Duschen noch schaffen?
Die Dusche hat es dann wieder gerichtet. Ich kann wieder gehen.
Nun aber flott zum Treffpunkt, die Lieben einsammeln und an den
Bahnhof, der Zug fährt bald.
Zu Essen gibt’s heute wohl nichts mehr.
Mit 4 Stunden 38 Minuten und einem Platz unter den
ersten 5000 (von ca. 11000)
hat das Ganze unerwartet gut gelappt. Die Messlatte für das nächste Mal
ist gelegt ( gibt’s ein nächstes mal ? hmm…)
Anm. der Red.: Ganz bestimmt gibt es ein nächstes mal,
Du weißt es nur noch nicht. Herzlichen Glückwunsch!
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